Kupfer schob Paula das retuschierte Porträt von Blomberg zu. Von seinen Blessuren war nichts mehr zu sehen.

„Hmm“, machte sie, „sieht schon gut aus, dieser Mann, fast zu gut. Wenn einer so gut aussieht, muss man auf der Hut sein. Herr Kupfer, seien Sie bloß froh, dass ...“ Sie redete nicht weiter.

„Wieso soll ich froh sein?“, fragte Kupfer herausfordernd.

„Ach, nichts.“ Sie wandte sich mit konzentrierter Miene ihrem Monitor zu.

„Nein, nein, so kommen Sie mir jetzt nicht davon. Raus mit der Sprache“, drängte sie ihr Chef.

Paula Kussmaul räusperte sich.

„Ich mein’ ja bloß, dass Sie, lieber Herr Kupfer, dafür vertrauenswürdiger aussehen.“

„So? Wofür?“

„Weil, weil ... ach, ich weiß auch nicht. Eben vertrauenswürdiger.“

„Soll ich das jetzt etwa als Kompliment nehmen?“

„Jetzt nehmen Sie es halt, wie Sie wollen. Jedenfalls sieht dieser hier so gut aus, dass ich ihm nicht trauen würde.“ Sie machte eine Pause und grinste ihn an. „Luxuriös sieht er aus“, sagte sie mit einem spöttischen Lächeln.

„Was soll das jetzt wieder heißen?“

„Da gibt es so einen Spruch aus einem österreichischen Roman. ›Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus.‹  – Könnt’ fast von mir sein, ist es aber leider nicht.“

„Und Sie meinen, ich sehe nicht luxuriös aus.“

„Das habe ich nicht gesagt, sondern Sie.“

Kupfer schüttelte den Kopf, als hätte ihm eine Ungeheuerlichkeit die Sprache verschlagen.

(So zerronnen, S.92)

© Dietrich Weichold


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