„Du bist mir vielleicht einer“, begann (Kupfer) das Gespräch, „jahrelang hört und sieht man nichts von dir, und dann läufst du mir gleich zweimal als Zeuge in einem Mordfall über den Weg.“
„Tja, das kommt mir selbst komisch vor. Ich hab auch gerade darüber nachgedacht, warum ausgerechnet ich zweimal kurz hintereinander mit so hässlichen Sachen in Berührung komme. Aber da gibt es keine Erklärung. Man nennt das wohl die Duplizität der Ereignisse. Aber wohlgemerkt: Duplizität. Das heißt aber auch nur zweimal, und dann langt’s. Jetzt ist Schluss. “
„Anders ausgedrückt: Wir sollten vielleicht dafür sorgen, dass wir uns außerhalb meines Arbeitsbereichs ab und zu mal treffen. Oder noch anders: Ich möchte nicht jedes Mal über eine Leiche stolpern, wenn oder damit wir uns begegnen. Ich habe ja auch nur noch ein halbes Jahr bis zu meiner Pensionierung.“
„Dann wünsche ich dir, dass du die letzten paar Monate gut durchstehst.“
„Vielen Dank, Otto. Jetzt aber zu deinem Bericht. Es ist schon sehr erstaunlich, was dir noch alles eingefallen ist Wie machst du das? Leute mit so einem Gedächtnis könnten wir brauchen. Willst du nicht noch ein paar Jahre bei uns aktiv sein?“
„Nein, nein, für einen V-Mann bin ich zu alt, und das Beamtendasein habe ich ohnehin satt. Die eine Obrigkeit bin ich gerade los, da brauche ich nicht gleich eine neue. Ich lasse es lieber bei Gelegenheitsentdeckungen. Es muss ja nicht jedes Mal gleich eine Leiche im Hallenbad sein.“
(Börsenfeuer, S. 24)

© Dietrich Weichold


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